{"id":1963,"date":"2016-11-05T11:29:00","date_gmt":"2016-11-05T09:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.voxi.at\/voxi\/?p=1963"},"modified":"2023-03-21T13:39:50","modified_gmt":"2023-03-21T11:39:50","slug":"am-etappen-ultramarathon-im-himalaya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.voxi.at\/voxi\/2016\/11\/am-etappen-ultramarathon-im-himalaya\/","title":{"rendered":"Am Etappen-Ultramarathon im Himalaya"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Im Oktober 2016 nahm ich an einem der h\u00e4rtesten Etappenl\u00e4ufe der Welt teil. Hier der Zeitungsartikel dazu:<\/p>\n<p>Am Fu\u00df des Himalaya sind beim \u201eHimalayan 100 Mile Stage Race\u201c in 5 Tagen \u00fcber 160 Kilometer und insgesamt ca. 8.100 H\u00f6henmeter zu bew\u00e4ltigen, und das in d\u00fcnner Luft auf einer Seeh\u00f6he von bis zu 3.700m. Neben 34 anderen Teilnehmern aus allen f\u00fcnf Kontinenten wagten heuer erstmals auch zwei Nieder\u00f6sterreicher dieses Abenteuer: Silvia Vogg (37) aus Velm-G\u00f6tzendorf und der Initiator des karitativen \u201ePlei\u00dfinger Wunschlaufs\u201c bei Hardegg, Dieter Prei\u00df (39).<\/p>\n<p>Das landschaftlich besonders reizvolle Rennen verl\u00e4uft direkt an der indisch-nepalesischen Grenze im Singalila Nationalpark unweit von Darjeeling, einem der bekanntesten Teeanbaugebiete der Erde.<\/p>\n<p>Das Besondere am Himalayan Race: Die L\u00e4ufer haben auf einem Gro\u00dfteil der Strecke die einmalige Gelegenheit, gleichzeitig vier der f\u00fcnf h\u00f6chsten Berge der Welt zu sehen: Everest, Kanchenjunga, Lhotse und Makalu. Diesen spektakul\u00e4ren Ausblick hat man weltweit ausschlie\u00dflich auf der Strecke des Himalayan 100 Mile Stage Race \u2013 genauer gesagt rund um Sandhakphu auf knapp 3.700m Seeh\u00f6he, dem h\u00f6chsten Punkt im Singalila Nationalpark und gleichzeitig dem h\u00f6chsten Punkt des Rennens.<\/p>\n<p>Vor Start des Wettkampfs verbrachten viele L\u00e4ufer ein bis zwei Tage im Hochland von Darjeeling \u2013 zwecks Akklimatisation, aber auch um ein wenig Einblick in die indische Kultur zu gewinnen und die Inder und ihren Alltag kennenzulernen. Die Eindr\u00fccke waren vielf\u00e4ltig und beeindruckend: M\u00f6nche beim Morgengebet im buddhistischen Kloster, geschminkte Inderinnen bei Ihrer Arbeit auf den Teeplantagen, der wohltuende Duft in der Teefabrik, der gef\u00e4hrdete Kleine Panda und der Bengalischer Tiger im Himalaya Zoo, die Originalausr\u00fcstung der Everest-Erstbesteiger Tenzing Norgay und Edmund Hillary im Everest Museum oder eine Fahrt mit der schmalspurigen Gebirgsbahn \u201eToy Train\u201c, einem UNESCO Weltkulturerbe.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bleibt beim Besuch einer Stadt wie Darjeeling aber leider auch der Ger\u00e4uschpegel und das in Indien allgegenw\u00e4rtige Problem mit M\u00fcll und Luftverschmutzung in Erinnerung. Speziell in Neu Delhi und anderen indischen Gro\u00dfst\u00e4tten, die einige Teilnehmer nach dem Rennen noch besucht haben, ist dieses Problem eklatant und f\u00fcr einen Europ\u00e4er kaum nachvollziehbar! Ein Umweltbewusstsein ist in den K\u00f6pfen der Inder derzeit noch so gut wie nicht existent.<\/p>\n<p>Im Anschluss an diese kurze Akklimatisation im Darjeeling-Gebiet fiel der Startschuss auf knapp 2.000m Seeh\u00f6he. Bereits die erste Tagesetappe war eine der schwierigsten. Die anstrengenden Anstiege haben den 36 StarterInnen bereits alles abverlangt. An diesem Tag waren insgesamt fast 2.900 H\u00f6henmeter bergauf zu \u00fcberwinden, um die darauffolgenden Tage in einer Seeh\u00f6he von ca 3.600m zu laufen. Hier war es den L\u00e4uferInnen verg\u00f6nnt, das Highlight des Rennens zu genie\u00dfen: den Blick auf den h\u00f6chsten Berg der Welt, den Mount Everest, eingebettet in die surreal wirkende Berglandschaft des Himalaya. Ein einzigartiges Panorama! In dieser H\u00f6he ist allerdings der Sauerstoffpartialdruck um etwa 1\/3 geringer als auf Meeresniveau, eine bedeutende Zusatzbelastung f\u00fcr den K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Die K\u00f6nigsetappe wurde am dritten Lauftag von 25 Teilnehmern in Angriff genommen. Bei diesem \u201eMt. Everest Challenge Marathon\u201c musste die klassische Marathondistanz \u00fcber 42,195 Kilometer absolviert werden, gro\u00dfteils steil bergab in sehr unwegsamem Gel\u00e4nde. Nachdem auch diese Herausforderung geschafft war und die L\u00e4ufer bereits weit \u00fcber 100 Wettkampf-Kilometer in den Beinen hatten, war ein kollektives Aufatmen zu versp\u00fcren. W\u00e4hrend der letzten beiden Tage, an denen \u201enur mehr\u201c etwa 20 bzw. 30km zur\u00fcckgelegt werden mussten, waren die Gedanken der meisten L\u00e4ufer schon auf das finale Ziel gerichtet.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Tagen h\u00f6chster Anstrengung, um nicht \u201eQu\u00e4lerei\u201c zu sagen, kamen alle Teilnehmer gesund ins Ziel und konnten sich als Finisher \u00fcber 100 Meilen (160 Kilometer) feiern lassen. Im Rahmen der h\u00f6chst emotionalen Siegerehrung wurden nicht nur die Erstplatzierten, David Fontaine (Frankreich) und Anna Petrakos (Australien), sondern jeder einzelne Teilnehmer geb\u00fchrend geehrt. Zus\u00e4tzlich wurden zwei \u201eSpezial Awards\u201c vergeben: jenen f\u00fcr das bezauberndste L\u00e4cheln unter allen Teilnehmern konnte die Weinviertlerin Silvia Vogg mit nach Hause nehmen.<\/p>\n<p>Als gelungener und sehr unterhaltsamer Abschluss stand der letzte Abend im Zeichen des kulturellen Austauschs. Alle Teilnehmer pr\u00e4sentierten ihr Heimatland, wobei Silvia Vogg und Dieter Prei\u00df die anderen L\u00e4ufer zu einem Wiener Walzer motivierten. Im Gegenzug wurden vom Organisationsteam indische Traditionen, Lieder und T\u00e4nze dargeboten. Und als h\u00e4tten sich die Teilnehmer w\u00e4hrend dieser Reise nicht schon genug bewegt: es war kein einziger L\u00e4ufer auf seinem Stuhl zu halten &#8211; alle tanzten mit!<\/p>\n<p>Neben der d\u00fcnnen H\u00f6henluft und der beachtlichen Distanz, z\u00e4hlten sicher die langen, steilen Steigungen und die Streckenbeschaffenheit zu den wesentlichsten Herausforderungen des Wettbewerbs. Gelaufen wurde fast durchwegs auf unebenen, teilweise mit behauenen Steinen unregelm\u00e4\u00dfig gepflasterten Bergwegen oder auf erdigen, wurzeldurchsetzten Waldpfaden. Das damit gesteigerte Verletzungsrisiko auf diesem anspruchsvollen Untergrund erforderte h\u00f6chste Konzentration, vor allem bei dem zum Teil schon recht hohen Ersch\u00f6pfungsgrad.<\/p>\n<p>Eine zus\u00e4tzliche Herausforderung der Reise stellten aber auch die Bedingungen abseits des Laufes dar: N\u00e4chte mit Temperaturen um die Gefriergrenze, kein flie\u00dfendes Wasser geschweige denn Warm- oder Trinkwasser, keine Heizm\u00f6glichkeiten, massiv eingeschr\u00e4nkte medizinische Versorgung und Bergungsm\u00f6glichkeiten im Notfall, kein Strom, kein Handyempfang, logistische Herausforderungen betreffend Gep\u00e4ck, etc. Aber all das sind unwichtige Nebens\u00e4chlichkeiten im Vergleich zu den unvergesslichen Erfahrungen und Impressionen, die die Teilnehmer des \u201eHimalayan 100 Mile Stage Race\u201c mit nach Hause nehmen durften.<\/p>\n<p>Die Herausforderungen und Anstrengungen wurden mehr als aufgewogen durch die wundersch\u00f6nen landschaftlichen Eindr\u00fccke im Singalila Nationalpark, den Blick auf die h\u00f6chsten Berge unserer Erde, die unvergleichliche Freundlichkeit der indischen Bev\u00f6lkerung, die vorbildliche Organisation des Events samt logistischer Meisterleistungen und die vielen Freundschaften die sich unter den L\u00e4ufern entwickelt haben.<\/p>\n<p>In Summe ein Laufevent wie kein zweites auf der Welt!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-blockgallery-masonry\"><div class=\"blockgallery has-no-alignment has-caption-style-dark has-gutter\"><ul class=\"has-grid-xlrg has-gutter-15 has-gutter-mobile-15\"><li class=\"blockgallery--item\"><figure class=\"blockgallery--figure\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.voxi.at\/voxi\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/15000193_872208492916141_6821079357067043219_o.jpg\" alt=\"\" data-id=\"1967\" data-link=\"https:\/\/www.voxi.at\/voxi\/2016\/11\/am-etappen-ultramarathon-im-himalaya\/15000193_872208492916141_6821079357067043219_o\/\" 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